Außenwirtschaft 2026: Regulierung, Risiko und neue Chancen

Die Außenwirtschaft 2026ff ist geprägt von einer massiven Regulierungsdichte kombiniert mit unsicheren globalen Märkten und knappen Fachkräften. Unternehmen müssen gleichzeitig neue Gesetze umsetzen, geopolitische Risiken managen und ihren Außenhandel rechtssicher digitalisieren, um handlungsfähig zu bleiben und Chancen in komplexen Märkten zu nutzen.

Wer heute Verantwortung für Zoll, Exportkontrolle oder Außenwirtschaft trägt, arbeitet im Dauerhochdruckbereich. In den vergangenen Jahren hat sich die Schlagzahl neuer Vorgaben dramatisch erhöht: EU-Zollreform, verschärfte Russland- und Iran-Sanktionen, der CO₂-Grenzausgleich CBAM, die EU-Entwaldungsverordnung, Anpassungen im Dual-Use-Recht, neue US-Zölle und nationale Berichtspflichten prägen den Alltag. Ein aktuelles IHK-Update zum Zoll- und Außenwirtschaftsrecht 2025/2026 listet auf mehreren Dutzend Seiten auf, wie schnell Codierungen, Verbote, Berichtspflichten und IT-Verfahren geändert werden. 

Für die Praxis heißt das: Wer sich einmal im Jahr „auf Stand“ bringen wollte, ist längst abgehängt. Genau diese Erfahrung beschreibt Daniela Winkelhardt, Expertin für Zoll- und Außenwirtschaft, sehr klar: „Es gibt fortlaufend neue Gesetze und Verordnungen, die sehr kurzfristig umgesetzt werden müssen. Das ist eine erhebliche Belastung – vor allem, weil die Informationsflüsse dazu häufig unzureichend sind, selbst bei intensiver Eigeninitiative."

Unternehmen kämpfen also nicht nur mit der Menge an Regulierung, sondern auch mit der schlichten Aufgabe, alles rechtzeitig überhaupt mitzubekommen. Für Verantwortliche im Unternehmen heißt das: Wer nur reagiert, gerät in einen Modus permanenter Brandbekämpfung. Strategisch agieren kann nur, wer die wesentlichen Strömungen erkennt, bewusst Schwerpunkte setzt und weiß, wo andere mit denselben Fragen ringen. Genau hier beginnt der Bedarf nach strukturiertem Austausch auf Augenhöhe. Wer hier bestehen will, braucht Orientierung und verlässliche Räume für Wissenstransfer. 

Dazu kommt der andauernde politische Stress: Russland, China, USA, neue Exportkontrollregime und sektorale Zölle. Fachgremien sprechen mittlerweile von einer erratischen Handelspolitik. Eine IHK-Auswertung verweist etwa auf 20 Sanktionspakete der EU gegen Russland, laufende Anpassungen der Güterlisten sowie neue Verbote im Flüssigerdgashandel. Die Konsequenz: Geschäftsmodelle, die gestern noch rechtssicher waren, können morgen unzulässig oder wirtschaftlich unattraktiv sein.

Gleichzeitig wird die Außenwirtschaft aber im Unternehmen sichtbarer und strategischer. Vorgenannte Themen machen die Außenwirtschaft zu Führungsthemen. Außenwirtschaftsverantwortliche sind nicht mehr nur „Abwickler“, sondern Risikomanager und Business-Enabler. Daniela Winkelhardt beschreibt es so: „Es gab in den letzten Jahren einen deutlichen Wendepunkt. Mit einem Mal wurde in vielen Unternehmen erkannt: Außenwirtschaftsverantwortliche sind keine Bremser, sondern diejenigen, die rechtssicheres Handeln ermöglichen – und die genau wissen, wie sich legale Spielräume nutzen lassen.“ Die Community tritt jetzt sichtbarer auf, etwa auf LinkedIn oder in fachlichen Netzwerken, und fordert den Platz ein, den sie strategisch längst hat. 

Wer diese Rolle motiviert ausfüllen will, braucht nicht nur juristisches Detailwissen, sondern auch ein klares Lagebild: Wo stehen wir jetzt und in den kommenden Jahren wirklich – und welche Hebel gibt es, damit Unternehmen nicht in der Regulierungswelle untergehen, sondern daraus Vorteile ziehen?

Allerdings fehlen im Unternehmen genau die Menschen, die diese Komplexität schultern könnten. Daniela Winkelhardt beschreibt das ohne jede Beschönigung: „Man sieht eine enorme Regulierungsdichte, hohen Umsetzungsdruck – und gleichzeitig zu wenig qualifizierte Personen, die das schultern können. Das gilt unabhängig von der Unternehmensgröße: ob KMU oder Konzern – der Fachkräftemangel im Bereich Außenwirtschaft ist strukturell. Außenwirtschaft war lange kein „hipper“ Karriereweg; Mittlerweile gewinnt der Bereich aber sichtbar an Attraktivität. Bis das in stabilen Nachwuchs mündet, bleibt eine Lücke – häufig gefüllt mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern, die sich mühsam einarbeiten.

In dieser Gemengelage ziehen viele Unternehmen harte Konsequenzen. Daniela Winkelhardt beobachtet, dass manche Firmen bestimmte Ländermärkte ganz ausklammern: „Ich mache gewisse Geschäfte nicht mehr, weil mir das Risiko zu groß ist.“ Dabei wäre rechtlich oft mehr möglich – nur fehlen Kapazität, Wissen oder Mut, komplexe Compliance-Anforderungen sauber zu managen. Andere Unternehmen reagieren mit Bewusstsein für die Chancen: Wer Exportkontrolle, Sanktionsrecht und auch Warenursprung und Präferenzen im Griff hat, traut sich in Märkte, in denen Wettbewerber längst ausgestiegen sind.

Rechtliche Fallstricke und Konsequenzen für Unternehmen

Wer Regulierungen nicht oder falsch umsetzt, riskiert in der Außenwirtschaft nicht nur Bußgelder, sondern schnell auch strafrechtliche Haftung von Geschäftsführung, Führungskräften und Zoll- und Exportkontrollverantwortlichen und bis hin zum persönlichen Strafverfahren.

In der Praxis werden die rechtlichen Risiken noch immer unterschätzt. Viele Unternehmensleitungen denken primär in wirtschaftlichen Szenarien: entgangene Aufträge, verspätete Lieferungen, unzufriedene Kundschaft. Doch im Außenwirtschaftsrecht ist die Dimension größer. Im Außenwirtschaftsrecht ist grundlegend zwischen Ordnungswidrigkeiten und Straftatbeständen zu unterscheiden – mit sehr unterschiedlichen Konsequenzen für die handelnden Personen.

Im Bereich Exportkontrolle, Handels- und Finanzsanktionen ist der Übergang besonders scharf. Wer gelistete Personen oder Staaten trotz Verbots beliefert, wer gelistete Dual-Use-Güter ohne Genehmigung exportiert oder Umgehungskonstruktionen über Drittländer zulässt, bewegt sich schnell im Bereich strafbarer Handlungen. Verstöße können nicht nur Geldstrafen und Einziehung von Gewinnen nach sich ziehen, sondern auch Freiheitsstrafen für verantwortliche Personen.

Eine zusätzliche Ebene kommt aus dem US-Exportkontrollrecht. Fachbeiträge betonen, dass schon ein sogenannter US-Nexus – also etwa US-Ware, US-Technologie, US-Dollar-Zahlungen oder Beteiligung eines US-Bürgers – ausreicht, damit US-Regeln praktisch relevant werden. Wer hier gegen die Sanktionslisten verstößt, riskiert unter anderem den Ausschluss vom Dollar-Zahlungsverkehr, was für global agierende Unternehmen einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt. In der Praxis orientieren sich daher viele Compliance-Abteilungen faktisch an US-Listen, selbst wenn sie rechtlich nicht unmittelbar gebunden wären.

Dies sind aber nicht nur zusätzliche Aufgaben, man kann es auch als Chancen betrachten.  „Es gibt Personen, die diese Komplexität bewusst als Chance begreifen: die sagen ‚jetzt erst recht', sich systematisch einarbeiten und sich dadurch intern wie extern klar positionieren." Diese Personen bauen sich gezielt Kompetenz auf, verstehen die Logik der Regelwerke und werden so intern wie extern zu gefragten Ansprechpersonen. Für sie ist Außenwirtschaft nicht nur Risikofeld, sondern Karrierebooster.

Handelsabkommen, PEM-Reformen und neue Marktzugänge richtig nutzen

Neben Risiko und Haftung bietet die Außenwirtschaft 2026 erhebliche Chancen, insbesondere durch moderne Handelsabkommen und vereinfachte PEM-Ursprungsregeln, die Zollvorteile und Marktzugang verbessern können.

Außenwirtschaft ist nicht nur Schutz vor Schaden, sondern auch Motor für zusätzliches Geschäft. Handelsabkommen senken Zölle, öffnen Märkte und schaffen Wettbewerbsvorteile – vorausgesetzt, Unternehmen sind in der Lage, sie praktisch zu nutzen. Genau hier liegt ein Hebel, den viele Verantwortliche noch zu wenig ausschöpfen. Daniela Winkelhardt formuliert es offensiv: „Wer das Themengebiet Warenursprung und Präferenzen wirklich beherrscht, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil – gegenüber Unternehmen, die vor Komplexität zurückschrecken."

Die revidierten PEM-Ursprungsregeln, die seit 2026 in vielen Beziehungen im Paneuropa-Mittelmeer-Raum gelten, machen Präferenzkalkulationen in weiten Teilen einfacher. Ein IHK-Hintergrundpapier schätzt, dass etwa 95 Prozent der Ursprungsregeln leichter geworden oder gleich geblieben sind. Wer das frühzeitig versteht und Prozesse anpasst, kann Lieferketten so strukturieren, dass mehr Präferenzen genutzt werden – und spart Zollkosten für die Kundschaft. Wer die Änderungen ignoriert, verschenkt diesen Wettbewerbsvorteil.

 Ein Unternehmen, das Präferenzen korrekt ausstellen kann, verschafft seinen Kundinnen und Kunden konkrete Kostenvorteile gegenüber Wettbewerbern, die dazu nicht in der Lage sind. Im Bereich Warenursprung und Präferenzen entstehen so Spielräume, die über den reinen Compliance-Blick hinausgehen.

Parallel kommen neue oder modernisierte Abkommen hinzu: „Das EU-Mercosur-Abkommen wurde im Anfang 2026 unterzeichnet; die vorläufige Anwendung des Interimshandelsabkommens ist ab dem 1. Mai 2026 vorgesehen, mit schrittweisem Zollabbau – insbesondere im Automotive- und Maschinenbausektor. Die vollständige Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedstaaten steht noch aus."

Bereits in Kraft ist ein modernisiertes Abkommen mit Mexiko, weitere mit Indonesien und anderen Staaten stehen kurz vor der Umsetzung. Für Unternehmen der Industrie bedeutet das: hohe Zollsätze in Wachstumsmärkten gehen zurück, wenn sie Nachweise und Ursprungsregeln beherrschen.

Wie Digitalisierung und KI den Arbeitsalltag im Außenhandel verändern

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind keine abstrakten Zukunftsthemen mehr, sondern konkrete Hebel, um Standardprozesse im Außenhandel zu automatisieren – während geprüfte Fachkräfte die rechtlich heiklen Entscheidungen treffen.

Regulierungsdichte und Personalknappheit zwingen Unternehmen zu Effizienzgewinnen. Der Zoll selbst digitalisiert massiv: EU-weit werden IT-Systeme im Rahmen des UZK modernisiert, nationale Zollportale ausgebaut und elektronische Verfahren wie AES, NCTS 6 oder digitale Ursprungszeugnisse eingeführt. Eine aktuelle IHK-Auswertung nennt etwa das vollständig digitale Carnet ATA und das volldigitale Ursprungszeugnis (dUZ) als Beispiele, wie Papierprozesse durch sichere, geprüfte Online-Lösungen ersetzt werden.

Parallel entstehen spezialisierte Tools im Markt. Im Bereich Exportkontrolle existieren seit Jahren regelbasierte Systeme für Sanktionslistenprüfungen. Neuer ist, dass zunehmend hybride Lösungen eingesetzt werden, die klassische Regelwerke und KI kombinieren. Daniela Winkelhardt betont allerdings: „Ich möchte das Thema Digitalisierung nicht auf die KI alleine begrenzen. Die richtigen Tools verschlanken Prozesse und schaffen Kapazität. Die gewonnene Zeit investieren Außenwirtschaftsverantwortliche dann in das, was wirklich Urteilsvermögen erfordert: Risikoanalyse, interne Beratung, strategische Entscheidungen." Ihr Punkt: Intelligente Automatisierung ist ein Spektrum – von klar strukturierten Prüfregeln bis hin zu lernenden Systemen.

Gleichzeitig sind die Grenzen klar: Rechtsanwendung, also die finale Entscheidung, ob ein Vorgang genehmigungspflichtig oder zulässig ist, kann nicht vollständig an Maschinen delegiert werden. Juristische Fachbeiträge zum Europäischen Zollrechtstag heben hervor, dass der AI Act der EU den Rahmen für Hochrisiko-Anwendungen setzt. Zudem bleibt die Haftung bei den Unternehmen und den handelnden Personen. KI kann unterstützen, aber sie entbindet nicht von Verantwortung.

In der Praxis läuft es daher auf ein Modell hinaus, das Daniela Winkelhardt so beschreibt: „Die Tools vereinfachen uns Wege, wenn wir sie richtig nutzen. Sie sparen Zeit – und wir als Außenwirtschaftler im Unternehmen überprüfen die Ergebnisse. Routinetätigkeiten wie Warentarifnummernvorschläge, Plausibilitätsprüfungen oder die Zusammenstellung von Zolldaten können weitgehend automatisiert werden. Die freigewordene Zeit investieren Fachkräfte in Risikoanalysen, interne Beratung, Schulungen und strategische Projekte.“

Ein plastisches Beispiel liefert die anstehende EU-Zollreform: Vorgesehen sind eine zentrale EU-Zolldatenplattform („Customs Data Hub“), der verstärkte Einsatz digitaler Technologien einschließlich KI für Risikoanalysen sowie ein neuer Status „Trust & Check“-Trader. Wer frühzeitig damit beginnt, Datenqualität, Stammdatenpflege und Prozessklarheit zu verbessern, schafft die Voraussetzung, um von diesen Erleichterungen zu profitieren – statt von neuen Anforderungen überrascht zu werden.

Chancen statt Risiken

Ein großer Teil dieser Entwicklungen bleibt für viele Firmen abstrakt, solange sie nicht mit konkreten Aufgaben verbunden werden. Hier setzt qualifizierte Außenwirtschaftsarbeit an. Wenn sich ein Unternehmen zusätzlich an die US-Exportkontrolle, oder die chinesische Exportkontrolle halten muss oder neue Freihandelsabkommen praktisch nutzen möchte, entstehen neue Aufgabenfelder – unabhängig vom formalen Jobtitel. Daniela Winkelhardt unterscheidet hier eher nach Aufgabenclustern als nach Titeln: strategische Aufgaben versus operative Abwicklung, Import versus Export, Exportkontrolle, Warenursprung und Präferenzen, Warentarifierung und Verbrauchsteuern.

Wer diese Felder versteht und aktiv gestaltet, verwandelt Regulierung in Wachstum. Ein Trade-Compliance-Officer, der sich in US-Exportkontrolle einarbeitet und die Firma befähigt, sensibel regulierte Märkte dennoch rechtssicher zu bedienen, erschließt Umsatz, den Wettbewerber aus Angst oder Überforderung liegen lassen. Umgekehrt führt Unwissen dazu, dass Chancen nicht einmal erkannt werden – oder aus Angst vor Fehlern pauschal ausgeschlossen werden.

Der Thementag Außenwirtschaft als strategischer Lösungsraum

Der Thementag Außenwirtschaft bündelt die Themenfülle in einem kompakten Update- und Diskussionsformat, in dem Gesetzesänderungen, Praxisfragen und strategische Trends gemeinsam bearbeitet werden – von Fachleuten für Fachleute.

Für Verantwortliche in Zoll, Exportkontrolle und Außenwirtschaft stellt sich die Frage: Wo bekomme ich in kurzer Zeit einen belastbaren Überblick über die wichtigsten Neuerungen – und Raum, um meine konkreten Fragen zu klären? Genau an dieser Stelle setzt der Thementag Außenwirtschaft der Reguvis Akademie an.

Das Grundgerüst ist bewusst stabil gehalten. Zu Beginn steht jedes Jahr ein Updateblock, in dem erfahrene Expertinnen und Experten die Entwicklungen der letzten zwölf Monate in klar getrennten Rechtsgebieten zusammenfassen: Außenhandelsrecht, Exportkontrollrecht, Zollrecht sowie Nachhaltigkeit und Compliance. Jede Person hat rund dreißig Minuten, um die wesentlichen Änderungen und ihre Bedeutung für die Praxis herauszuarbeiten. Für Teilnehmende bedeutet das: Der oft diffuse Eindruck einer Regulierungsflut wird in strukturierte, greifbare Themenfelder übersetzt.

Inhaltlich verantworten diesen Auftakt überwiegend die Schriftleiterinnen und Schriftleiter der Fachzeitschrift AW-Prax. Sie beschäftigen sich das ganze Jahr über beruflich mit den Themen, publizieren dazu und bringen zugleich Unternehmenspraxis mit. Daniela Winkelhardt betont den Doppelblick: „Wichtig ist, dass Unternehmenserfahrung vorhanden ist. Nur Theorie schreckt ab, unsere Teilnehmenden brauchen die Praxis.“ Genau diese Verbindung von fundierter juristischer Einordnung und konkreten Umsetzungserfahrungen macht den Charakter des Thementags aus.

Moderiert wird die Veranstaltung von einer Persönlichkeit, die in der Szene als Institution gilt. Der Moderator Prof. Dr. Hans-Michael Wolffgang leitet zugleich das Institut für Zoll- und Außenwirtschaftsrecht und prägt mit seiner Erfahrung aus Wissenschaft, Beratung und Praxis den Diskurs. Für Teilnehmende heißt das: Sie bewegen sich in einem Rahmen, in dem fachliche Tiefe, kritische Einordnung und Praxisnähe gleichberechtigt sind.

Im weiteren Verlauf differenziert sich das Programm. Nach dem gemeinsamen Plenum folgen Workshops, in denen einzelne Themen – etwa Exportkontrolle, Präferenzen, zentrale Zollabwicklung, KI-gestützte Tools oder Nachhaltigkeit im Außenhandel – vertieft werden. Hier kommen verstärkt Unternehmenspraktikerinnen und -praktiker zu Wort, die zeigen, wie sie neue Anforderungen in ihrer Organisation konkret gelöst haben. Der Anspruch ist klar: Kein abstraktes „Man müsste“, sondern nachvollziehbare Beispiele, an denen sich andere orientieren können.

Am Ende kehrt die Veranstaltung zurück ins Plenum – häufig mit Panels zu aktuell besonders bewegenden Themen wie EU-Zollreform, Handelspolitik oder neuen Sanktionsregimen. Dabei prallen bewusst unterschiedliche Perspektiven aufeinander: gesetzgeberische Einblicke, unternehmerische Sicht, wissenschaftliche Analyse. Ziel ist nicht Konsens um jeden Preis, sondern ein ehrliches Bild der Spannungsfelder, in denen sich die Teilnehmenden bewegen.

Welche Fragen Entscheiderinnen und Entscheider jetzt klären müssen

Für Außenwirtschaftsverantwortliche ist 2026 der Zeitpunkt, die eigene Rolle im Unternehmen zu schärfen: vom „Abwickler“ hin zum strategischen Risikomanager und Business-Enabler, der Regulierung, Technologie und Marktzugang zusammenbringt.

Aus den beschriebenen Entwicklungen ergeben sich eine Reihe von Leitfragen, die über die Teilnahme an einer einzelnen Tagung hinausgehen. Sie markieren den Übergang von reaktiver Pflichterfüllung zu gestaltender Außenwirtschaftsarbeit. Wer Verantwortung trägt – ob formell als Exportkontrollbeauftragte, als Leiter Zoll, als Trade Compliance Officer oder als Geschäftsführerin mit Außenhandelsbezug –, sollte sie für das eigene Unternehmen ehrlich beantworten.

Erstens: Haben wir wirklich ein vollständiges Lagebild? Viele Organisationen unterschätzen, wie stark Themen wie EU-Entwaldungsverordnung, CBAM oder revidierte PEM-Regeln ihre Lieferketten betreffen. Ein strukturiertes Update über alle Rechtsgebiete hinweg ist Voraussetzung, um Prioritäten zu setzen: Wo drohen uns kurzfristig Bußgelder oder Lieferstopps, wo verschenken wir mittel- bis langfristig Zollvorteile?

Zweitens: Wie ist unsere Organisation aufgestellt? In vielen Unternehmen wurden Außenwirtschaftsaufgaben historisch verteilt – etwas Zoll im Vertrieb, etwas Importkontrolle im Einkauf, etwas Sanktionsprüfung in der Rechtsabteilung. Die Folge sind Inkonsistenzen und Grauzonen. Die Frage lautet: Haben wir klare Verantwortlichkeiten, definierte Prozesse und ausreichend geschultes Personal – oder verlassen wir uns faktisch auf Einzelpersonen, die „schon irgendwie mitmachen“?

Drittens: Wo stehen wir digital? Der anstehende EU-Customs-Data-Hub, nationale Zollportale, digitale Ursprungsnachweise und KI-gestützte Tools setzen voraus, dass Stammdaten, Warennummern, Ursprungsinformationen und Kundendaten verlässlich sind. Ein Unternehmen, das hier hinterherhinkt, wird eher von neuer Bürokratie getroffen als von Erleichterungen profitieren. Auf der anderen Seite kann eine solide Datenbasis die Eintrittskarte in neue Vereinfachungen wie „Trust & Check“ sein.

Viertens: Nutzen wir unsere Chancen? Handelsabkommen, PEM-Reformen und neue Märkte bleiben wertlos, wenn sie nicht bewusst in die Vertriebs- und Supply-Chain-Strategie integriert werden. Dafür braucht es Menschen, die bereit sind, „jetzt erst recht“ Verantwortung zu übernehmen, wie Daniela Winkelhardt es beschreibt. Eine Tagung, auf der diese Menschen sich fachlich und persönlich stärken können, ist mehr als eine Fortbildung – sie ist ein Baustein zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Nicht zuletzt geht es um die persönliche Positionierung. Sebastian Thiel, verantwortlicher Produktmanager für den Thementag, beobachtet seit einigen Jahren, dass die Community selbstbewusster auftritt: „Sie zeigen sich mehr, sie machen sichtbar, welche Bedeutung ihr Job für das Unternehmen hat.“ Veranstaltungen, die neben den harten Fachthemen auch Raum für Soft Skills, Selbstverortung im Unternehmen und Networking bieten, tragen dazu bei, dass Außenwirtschaft als Karrierepfad erkennbar wird – und damit langfristig auch der Fachkräftemangel abnimmt.

Schlussgedanke: Außenwirtschaft als strategischer Wettbewerbsvorteil

Außenwirtschaft wird 2026 zur Nagelprobe für die strategische Handlungsfähigkeit von Unternehmen: Wer Regulierung, Risiko und Chancen aktiv managt, gewinnt Märkte – wer passiv bleibt, zieht sich zurück.

Die Kombination aus Regulierungswelle, Fachkräftemangel und geopolitischer Unsicherheit wird nicht kurzfristig verschwinden. Im Gegenteil: Mit neuen Sanktionsregimen, Lieferkettenanforderungen und digitalen Kontrollmöglichkeiten steigt der Druck weiter. Zugleich wachsen die Chancen durch Freihandelsabkommen, vereinfachte Ursprungsregeln und technologische Unterstützung.

In diesem Spannungsfeld entscheidet sich, ob Außenwirtschaft im Unternehmen als lästige Pflicht oder als Quelle von Wettbewerbsvorteilen gesehen wird. Daniela Winkelhardt bringt den Kern auf den Punkt: „Wer Außenwirtschaft „gut beherrscht“, erschließt Märkte, in die sich andere nicht mehr trauen, und schafft finanzielle Vorteile für Kundinnen, Kunden und das eigene Haus. Veranstaltungen wie der Thementag Außenwirtschaft bieten dabei einen geschützten Raum, in dem aktuelle Vorgaben, Praxisfragen und strategische Weichenstellungen zusammenkommen – und in dem Außenwirtschaftsverantwortliche den Rückhalt bekommen, den sie für ihre Rolle brauchen“.

2026 ist deshalb ein guter Zeitpunkt, Außenwirtschaft neu zu denken: als Querschnittsaufgabe zwischen Recht, Markt, Technologie und Unternehmensstrategie. Wer diese Perspektive einnimmt, sieht in jeder neuen Verordnung nicht nur ein weiteres Risiko, sondern auch einen möglichen Vorsprung vor dem Wettbewerb.